Navigieren

Suchen

Umweltaktivismus oder Vandalismus?

Umweltaktivismus oder Vandalismus? Die Schattenseite der guten Absichten

In letzter Zeit haben Klimaaktivisten verstärkt versucht für Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu sorgen, indem sie überall in der Welt in Museen zeitlose und einmalige Kunstwerke, die Zeugnisse der Menschheitsgeschichte darstellen, verunstaltet haben.

Obgleich es diesen Aktivisten sicher gelungen ist, Aufmerksamkeit für den Klimawandel zu erlangen, sind sie gleichzeitig für die angewandten Methoden kritisiert worden.

Der Climate Emergency Fund (‘CEF’) ist eine in Amerika ansässige gemeinnützige Organisation. Sie hat den Oktober 2022 zu einem Monat „anhaltender und störender Proteste“ erklärt.

Die Gruppe namens ‚Just Stop Oil‘ definiert sich als ein „Zusammenschluss von Gruppen, die sich gemeinsam dafür einsetzen, dass sich die Regierung im Vereinigten Königreich verpflichtet, sämtliche neu vergebene Lizenzen und Genehmigungen für die Erschließung, Entwicklung und Förderung von fossilen Brennstoffen im Land zu beenden. Just Stop Oil wird zu einem Teil vom CEF finanziert.

Bislang ist es der Kampagne von Just Stop Oil und seiner Partner-Netzwerke in aller Welt gelungen, für weltweites Aufsehen zu sorgen. So haben sie öffentlich voller Stolz ihr koordiniertes Vorgehen bei folgenden Aktionen bekundet:

  • Festkleben von Händen an der Verglasung und Bewerfen mit Tomatensuppe des Gemäldes „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Johannes Vermeer, einem Werk von ca. 1665, welches im Maurishuis-Museum von Den Haag hängt.
  • Bewerfen des Landschaftsbildes von Emily Carr aus dem Jahre 1934 mit Ahornsirup in der Vancouver Art Gallery in Kanada und erneutes Festkleben der Aktivisten an der dahinter liegenden Wand;
  • Besprühen des Pop-Art-Werks der „Campbellʼs Soup“-Dose von Andy Warhol mit blauem Graffiti in der National Portrait Gallery in Canberra, Australien;
  • Übergießen des Werkes „Heuhaufen“ von Claude Monet, einem der bedeutendsten Vertreter des Impressionismus und der neuen französischen Malerei mit Kartoffelpüree im Museum Barberini in Potsdam in Deutschland sowie
  • Dutzende weitere gewaltfreie Protestaktionen in aller Welt.

Kommt ihre Message wirklich an?

All diesen Aktionen liegt der Wunsch zugrunde, öffentliches Bewusstsein für die zunehmenden irreversiblen Folgen eines fehlenden aktiven Klimaschutzes und die Auswirkungen des Ölgeschäfts auf die Umweltzerstörung zu wecken und gleichzeitig deutlich zu machen, dass dringender Handlungsbedarf besteht.

Just Stop Oil hatte über einen an der Aktion gegen die „Sonnenblumen“ von Vincent Van Gogh in der National Gallery von London beteiligten Aktivisten folgende Botschaft verkünden lassen: „Seit Oktober haben wir in ganz London mit unseren Aktionen für Unruhe gesorgt, denn es fehlt ganz offensichtlich an politischem Willen für Veränderungen. Also wollten wir in erster Linie medienwirksame Aktionen starten, damit die Leute nicht nur darüber sprechen, was wir tun, sondern auch warum wir das tun.“

Das klingt doch wunderbar, oder? Theoretisch ja. Jedoch haben die Aktionen der Umweltaktivisten zu gegensätzlichen Reaktionen geführt, die die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema, nämlich dem Klimawandel, abgelenkt haben.

Vandalism Museum

Die Reaktion der Museen….

Die Direktoren des Metropolitan Museum of Art, des Guggenheim Museum von New York, der National Gallery von London, der Gallerie degli Uffizi von Florenz, des Louvre von Paris, des Museo Nacional del Prado von Madrid und ca. 100 weiterer hochrangiger Institutionen haben eine gemeinsame Erklärung in Antwort auf die Protestaktionen herausgegeben. Darin lautet es wie folgt:

„In den vergangenen Wochen hat es mehrere Anschläge auf Kunstwerke in internationalen Museumssammlungen gegeben. Die hierfür verantwortlichen Aktivisten unterschätzen sehr stark die Empfindlichkeit dieser einmaligen und unersetzlichen Objekte, die es als Teil des Weltkulturerbes zu bewahren gilt.

Museen sind Orte, an denen Menschen verschiedenster Herkunft im Dialog zueinander finden können, was wiederum die gesellschaftliche Diskussion fördert…. In diesem Sinne sind die Hauptaufgaben der Museen, nämlich die Sammlung, Untersuchung, das Teilen und die Erhaltung von Kunstwerken, wichtiger denn je. Wir werden uns weiterhin für einen direkten Zugang zu unserem kulturellen Erbe einsetzen und die Museen als freien Raum für soziale Kommunikation bewahren. 

Der Internationale Museumsrat (ICOM) ist eine internationale Organisation, die mit nationalen Komitees in mehr als 100 Ländern vertreten ist. Als Reaktion auf die von Just Stop Oil gestarteten Kampagnen hat der ICOM ein sehr diplomatisches und verständnisvolles Statement herausgegeben, in dem er „die Sorgen der Museen bezüglich der Sicherheit der Sammlungen, aber auch die Sorgen der Klimaaktivisten angesichts einer das Leben auf der Erde bedrohenden Umweltkatastrophe anerkennt und teilt.“

Einige frustrierte nationale ICOM-Komitees, unter anderem das deutsche, haben verlauten lassen, dass ihre Museumsdirektoren angesichts der Bedrohung der Kunst zunehmend „frustriert“ und „zutiefst erschüttert“ seien.

Obgleich bislang keine der gezielten Aktionen permanente Schäden an einem Kunstwerk verursacht hat, ist eine Bedrohung für die physische Sicherheit dieser Gebäude entstanden. Gleichzeitig sind Bedenken dahingehend aufgekommen, dass es zu einer Eskalation dieser Methoden kommen könne und diese Art von Protest in eine Zerstörung von Kunstwerken von unschätzbarem Wert ausufern könne.

Die Aktivisten müssen sich persönlich dafür verantworten….

Seit Menschengedenken mussten Umweltaktivisten und Aktivisten allgemein in verschiedensten Formen einen persönlichen Preis für ihr Eintreten für eine bestimmte Sache zahlen, da sie den Unwillen von Regierungen, politischen Gruppen und großen Unternehmen auf sich gezogen haben. Bei derartigen Kampagnen zielen die Aktivisten jedoch bewusst auf die Verletzung von Gesetzen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten ab.

Dieser Bewegung angeschlossene Aktivisten werden ermutigt, mit ihren Aktionen gegen die öffentliche Ordnung zu verstoßen, indem sie unerlaubt Zugang zu gesetzlich geschützten Gebäuden erlangen und privates und öffentlichen Eigentum beschädigen. Dabei werden sie zivilrechtlich für Schadensersatz, Wiederherstellung oder Geldstrafen haftbar gehalten.

Die beiden Aktivisten, die ihre Hände am Werk von Vermeer in Den Haag festgeklebt hatten, sind verhaftet und mit einer viermonatigen Haftstrafe belangt worden.

Die beiden für die Kartoffelpüree-Aktion gegen Monets „Heuhaufen“ verantwortlichen Aktivisten wurden ebenfalls festgenommen und inhaftiert. Dieses Schicksal ereilte auch andere Aktivisten, die sich im Oktober den Kampagnen von Just Stop Oil angeschlossen hatten.

Die Aktivisten vor Ort werden verhaftet. Aber wer steht dahinter und finanziert das Ganze?

Im Zusammenhang mit diesen Aktionen wird auch die Frage laut, welche Einrichtungen und Mechanismen eigentlich die Finanzierung derartiger Kampagnen ermöglichen.

CEF ist eine in Delaware eingetragene Vereinigung, die in der USA von der Einkommenssteuer befreit ist. Sie wurde von Aileen Getty, der Enkelin des Öl-Magnaten John Paul Getty gegründet, deren Familienvermögen auf ca. 4 Milliarden Euro/$ geschätzt wird.

Es mag auf den ersten Blick bewundernswert erscheinen, dass jemand, der direkt vom Ölgeschäft profitiert, diesem einen Stein in den Weg legt. Die Einkommenssteuerbefreiung dieser Wohltätigkeitsorganisationen geht aber auch mit anderen direkten Steuervorteilen und -vergünstigungen für Milliardäre, andere von der Steuer befreite Wohltätigkeitsorganisationen und internationale Unternehmen einher, die Gelder in diese Organisationen fließen lassen.

Eine Just Stop Oil angeschlossene Gruppe namens Extinction Rebellion hat eine beeindruckende Liste von Spendern vorzuweisen, unter denen sich Organisationen wie die Children’s Investment Fund Foundation und Lush Cosmetics befinden. Wohltätigkeitsorganisationen ist es ausdrücklich verboten, politische Lobbyarbeit zu betreiben. Aus welchem Grund auch immer liegen jedoch noch keine Berichte vor, wonach Regulierungsbehörden für gemeinnützige Vereine gegen derartige offensichtliche Finanzierungsbestrebungen von Wohltätigkeitsorganisationen für politische Kampagnen vorgegangen wären.

Es ist nicht ganz klar, wo hier die Grenzen zu ziehen sind. Daher stellt sich öffentlich die Frage, ob die Absichten von Just Stop Oil aufrichtig sind oder ob ihre Anführer und Koordinatoren einfach vom richtigen Weg abgekommen sind.

Was ist mehr wert, Leben oder Kunst?

Bei diesen Kampagnen geht es in erster Linie darum, wertvolle Kunstwerke anzugreifen, um die Öffentlichkeit aus ihrem Dornröschenschlaf (oder vielleicht auch naiver Unwissenheit) erwachen zu lassen und aufzufordern, endlich etwas gegen die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels zu unternehmen. Dabei wird ganz offen die Frage gestellt: Was ist mehr wert, Leben oder Kunst?

Das wäre schon wieder eine Debatte für sich, denn einige mögen behaupten, dass Leben Kunst sei und Kunst Leben bewahre.

Obgleich die guten Absichten dieser Umweltaktivisten anerkannt werden, sollte man sich auch angesichts der voranstehenden Aussage die Frage stellen, ob es nicht bessere Möglichkeiten gibt, die Message vom Klimawandel stärker im Einklang mit übergreifenden Themen wie Bewahrung, Schutz und Sanierung rüberzubringen, anstatt die Freiheit der Aktivisten aufs Spiel zu setzen und eines der Medien zu zerstören, die dem menschlichen Dasein einen Sinn verleiht.

 


Quellen
Bilder

Wir bieten echte und bewährte Informationen aus bewährten Quellen

You may also like…

Zerstören Kühe unseren Planeten?

Zerstören Kühe unseren Planeten?

Wie Kühe und andere Nutztiere mit dem Klimawandel zusammenhängen und was für mehr Nachhaltigkeit in der Branche passieren muss

Mut zum Wandel

Mut zum Wandel

Der letzte Teil unseres Interviews mit Daniela Marzavan: Beraterin, Unternehmerin und Akademikerin im Bereich Innovation und Design Thinking.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.