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Die Triple Bottom Line: Mensch, Planet und Profit

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08.22.2021

Öffentliche Aufrufe zu Reformen und neuen Initiativen in Sachen Corporate Governance weisen die Richtung für kollektive Paradigmenwechsel in unserer Epoche.

Die lautesten Forderungen verlangen nach einem Neubeginn in der Industrie und in den Geschäftspraktiken.

Seit der gegen Mitte-Ende des 18. Jahrhunderts eingeleiteten ersten Industrialisierungswelle hat sich unsere soziale und wirtschaftliche Gesellschaft verändert und sich den jeweiligen Umständen angepasst.

Mit beginnender Mechanisierung  während dieser ersten Industrialisierungswelle durchliefen unsere Gesellschaft und Wirtschaft eine tiefgreifende Veränderung. Das Zeitalter der Industrie mit einer kontinuierlichen Produktivitätssteigerung war angebrochen.

Und somit veränderten sich auch unsere eigenen Vorstellungen von Arbeit, Beruf und Leben.

Die traditionelle Form des Geschäftemachens in der Zeit nach der Industriellen Revolution stellte eine beachtliche Beeinträchtigung der Erwirtschaftung von Einnahmen seitens der Einzelpersonen und Haushalte dar. Die Verschuldung der Menschen, Unternehmen und gar Ländern nahm zu, einhergehend mit einer Schädigung unserer gemeinsamen Umwelt.

Über mehrere Generationen hinweg mussten wir mit ansehen, was passiert, wenn das Geschäft die Überhand gewinnt und nur kleinere Governance-Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt oder regulatorische Kontrollmechanismen angewandt werden. Die Mentalität der Unternehmen war ausschließlich auf Gewinn ausgerichtet; der Mensch und der Planet wurden dem Profit untergeordnet.

Wir wenden uns heute aktiv gegen das Konzept, wonach Menschen Maschinen seien und unsere natürlichen Ressourcen ungehindert genutzt werden können.

Eine Verbesserung ist nur durch Veränderung möglich

In Zeiten der Hyper-Globalisierung und des verwurzelten Kapitalismus sind die traditionellen Tante-Emma-Läden schon eher eine Seltenheit. Viele traditionelle Unternehmen organisieren und finanzieren sich über typische Kapitalbeteiligungen und Aktionärsstrukturen.

Um den Forderungen der Aktionäre gerecht zu werden und deren Vertrauen zu gewinnen, haben die Unternehmen ihren Geschäftsergebnissen oberste Priorität eingeräumt.

Dieser Ansatz birgt jedoch die Gefahr des Aufkommens und Umsetzens negativer Praktiken in sich. Dazu gehören u.a.:

  • Beeinträchtigung der Umweltverantwortung von Unternehmen;
  • übermäßige Arbeitslast und schlechte Bezahlung der Beschäftigten;
  • Zunahme der Kluft zwischen Produktivität und Entlohnung infolge willkürlicher Geschäftspraktiken zur Trennung von Arbeit und Kapital;
  • Nachlassen der Mitarbeiterzufriedenheit, des Teamgeistes und der Arbeitsatmosphäre;
  • Verschlechterung in Sachen ethischer Führungsstil und Servant Leadership: und
  • Geringere Produkt- und/oder Dienstleistungsqualität, usw.

Es besteht derzeit die Notwendigkeit, neue Geschäfts- und Governance-Initiativen einzuführen, die auf Gerechtigkeit, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit ausgerichtet sind.

B-Corporations

B-Lab, ein gemeinnütziges Zertifizierungsunternehmen definiert eine B-Corporation (´B-Corp´) wie folgt:

Ein zertifiziertes B-Corp ist ein gewinnorientiertes, von B-Lab zertifiziertes Unternehmen. Dabei wird das soziale und umweltbewusste Verhalten des Unternehmens gemäß dem Online B-Impact Assessment bewertet. Das Ziel besteht in der Errichtung ‚ einer weltweiten Gemeinschaft von zertifizierten B Corps, die höchsten Standards von verifiziertem sozialen und umweltfördernden Gesamtverhalten, öffentlicher Transparenz und gesetzlicher Rechenschaftspflicht entsprechen.

Es gibt bereits mehr als 3.500 zertifizierte B-Corps in mehr als 70 Ländern. Sie gehören 130 verschiedenen Branchen an. Unter ihnen befinden sich bedeutende Unternehmen, wie z.B. Ben N’ Jerry’s, Patagonia, Impact Hub Madrid u.a.m.

Bei der Bewertung von Anträgen auf eine B-Corp-Zertifizierung werden u.a. folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Behandlung der Mitarbeiter;
  • Sozial- und Umweltverhalten
  • Rechenschaftslegung – Aufforderung an die Führungskräfte zur Berücksichtigung der Auswirkungen des Unternehmens auf alle Aktionäre, und
  • Überprüfung und Neuzertifizierung alle zwei Jahre zur Sicherstellung eines regelkonformen und ausgeglichenen Wachstums des Unternehmens.

Da im 21. Jahrhundert neben dem endgültigen Nettoergebnis andere Stakeholder-Values verstärkt in den Mittelpunkt gerückt sind, hat der Triple-Bottom-Line-Ansatz immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dabei handelt es sich um ein Streben nach Gleichgewicht im Verhalten von Unternehmen, bei dem Mensch, Planet und Profit berücksichtigt werden, und derzeitige Modelle der Unternehmensführung überdacht und umgestaltet werden.

Die Umsetzung eines derartiges Modells durch Privatunternehmen, Start-Ups, multinationale oder öffentliche Unternehmen ist mit vielen Vorteilen verbunden, insbesondere wenn es mit einer B-Corp-Zertifizierung einhergeht. Dazu gehören u.a.:

  • Wachsendes Vertrauen seitens der Aktionäre, erhöhte Glaubwürdigkeit in Bezug auf Investitionen und für die Verbraucher
  • Wettbewerbsvorteile in einer fortschrittlichen Gesellschaft, in der verstärkt öffentlicher Druck auf ethische und nachhaltige Geschäftsreformen ausgeübt wird;
  • Nachweis einer fortschrittlichen Unternehmensidentität und
  • eines ethischen Engagements sowie Anstrengungen zur Sicherstellung der Verbleibs der Mitarbeiter im Unternehmen.

Auch wenn es in Sachen Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und Haftung noch einiges zu tun gibt, bilden die B-Corps eine Gemeinschaft von Führungskräften, die eine weltweite Bewegung von Menschen anstoßen, die Unternehmen als einen Motor zur Förderung des Guten einsetzen.

Mehr als nur ein Trend

Die Verhaltensweisen und Geschäftspraktiken eines Unternehmens haben Auswirkungen auf alle Aspekte des Lebens, denn sie sind auf die Nutzung natürlicher Ressourcen für die Herstellung von Produkten und den Einsatz von Humanressourcen zur Erbringung von Dienstleistung und Verrichtung von Geschäftsaktivitäten angewiesen.

Im Jahre 2015 wurden von der Vollversammlung der Vereinten Nationen 17 eng miteinander verbundene globale Ziele verabschiedet, die sogenannten Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG), eine Art Roadmap zur Sicherstellung einer besseren und nachhaltigeren Zukunft für alle.

Den Nachhaltigen Entwicklungszielen liegen gemeinsame Werte und Ziele zugrunde. Dazu gehören u.a. ein Ende der Armut, verantwortungsbewusster Verbrauch und verantwortungsvolle Produktion, würdige Arbeit und wirtschaftliches Wachstum, Verringerung der Ungleichheit, Klimawandel, Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen. All diese Ziele sollen bis 2030 erreicht werden.

Die globale Gesellschaft bewegt sich langfristig eindeutig hin zu einem ausgeglichenerem Triple-Bottom-Ansatz, bei dem der Gewinn zwar eine Rolle spielt, jedoch nicht auf Kosten der Menschen oder des Planeten gehen darf. 

In diesem Zusammenhang haben B-Lab und der Globale Pakt der Vereinten Nationen mit der beratenden Unterstützung des Dänischen Instituts für Menschenrechte, des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, der Leads School of Business und weiterer Organisationen den SDG Action Manager erstellt. 

Eine zusätzliche Funktion der B-Corp-Zertifizierung besteht darin, dass Unternehmen die Möglichkeit gegeben wird, erstklassige professionelle Beratung zu erhalten, um somit sicherzustellen, dass ihre Unternehmensaktivität und -führung im Einklang mit der weltweiten Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele steht.

Welche Rolle kommt uns zu?

Wir als Verbraucher sollten auch darüber nachdenken, wem wir unser hart verdientes Geld zukommen lassen und für wo es vielleicht besser ausgegeben werden sollte.

Über eine kurze Suchanfrage können wir ermitteln, ob wir Produkte oder Dienstleistungen von Unternehmen erwerben, die mit B-Corp zertifiziert sind oder zumindest weitestgehend unseren Werten entsprechen.

Wir fühlen uns einfach wohler, wenn wir wissen, dass unser Geld in einen Dienstleister fließt, der wiederum in die Belegschaft und die Verbesserung der eigenen Praktiken investiert. Also genau das Gegenteil von Unternehmen, die den schon seit ein paar Jahrhunderten angerichteten Schaden nur noch weiter verschlimmern.

All jene, die selbst eine Firma betreiben, sollten vielleicht darüber nachdenken, sich nach B-Corp zertifizieren zu lassen und somit auch Ressourcen in Anspruch zu nehmen, die B-Lab ihnen bietet, um eine gute Unternehmensführung und die Anwendung ethischer Praktiken sicherzustellen.

Wir möchten dich auffordern, über Folgendes nachzudenken und die entsprechenden Antworten aufzuschreiben. Vielleicht verschafft dies etwas mehr Klarheit.

  • Inwiefern können wir eine B-Corp-Zertifizierung als Eigeninvestition betrachten?
  • Wie kann die Zertifizierung die Langlebigkeit und den Fortbestand unseres Unternehmens unterstützen?
  • Würde eine Zertifizierung unsere Geschäftstätigkeiten zum Positiven beeinflussen?
  • Und falls eine Zertifizierung nicht notwendig ist bzw. nicht gewünscht wird, wie könnten wir trotzdem unsere Geschäftspraktiken verbessern, um sie mit den Prinzipien der Triple Bottom Line in Einklang zu bringen?

 

Quellen

Image
  • Pixabay

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Heutzutage wird viel über Nachhaltigkeit im Finanzsystem diskutiert – es scheint ein wichtiges Thema zu sein, da Regierungen, Unternehmen und Privatpersonen davon sprechen.

4 Kommentare

  1. Max B.

    Die B-Corps finde ich auch echt interessant, als Konsument achte ich gerne darauf, welche Firmen zertifiziert sind

    Antworten
    • Komoneed

      Wie bei den Heiligen sind sie nicht alle, und sie sind auch nicht alle, die es gibt. 🙂

      Antworten
  2. Henriette

    B-Corps finde ich sehr spannend, und unterstütze ich auch gerne.

    Antworten
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