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Können wir den so genannten „Bio-Siegeln“ für Lebensmittel vertrauen?

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02.23.2022

Organisch/Bio = nachhaltig?

Können wir den so genannten „Bio-Siegeln“ für Lebensmittel vertrauen?

Da sich immer mehr Menschen über ihren ökologischen Fußabdruck Gedanken machen und sich fragen, was sie tun können, um ihn zu senken, sind sie von grünen Aufklebern oder nachhaltigen Siegel auf der Verpackung von Lebensmittel angezogen. Was bedeutet das, und welchen „Nachhaltigen Lebensmittelsiegeln“ können von Verbrauchern vertraut werden?

Ökologisch erzeugte Waren werden in Deutschland als „Bio“ gekennzeichnet. „Bio“ steht für das Wort „biologisch“, was so viel wie „organisch hergestellt“ bedeutet.

Bio ist nicht gleich bio. Was ist damit gemeint? Mit der „EU-Öko-Verordnung“ von 1991 wurden mehrere Kriterien für die Herstellung, Kontrolle und Einfuhr von Waren eingeführt, die als „Bio“ gekennzeichnet werden dürfen. Die Vorschriften umfassen alle pflanzlichen und tierischen Lebensmittel sowie andere landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Wolle, Gummi und Salz.

Deutschland beispielsweise führte 2001 das weithin bekannte grüne „Bio-Sechseck-Siegel“ ein, um Verbraucher über die Erfüllung aller EU-Kriterien zu informieren. Im Jahr 2012 wurde ein zusätzliches EU-Siegel eingeführt, um Verbraucher über Bio-Waren zu informieren, die in einem EU-Mitgliedstaat hergestellt wurden.

Die ursprüngliche EU-Öko-Verordnung wurde im Laufe der Jahre mehrfach überarbeitet; die neueste Fassung trat am 1. Januar 2022 in Kraft. Kritiker haben in den letzten Jahren auf Mängel bei den Anforderungen für die Kennzeichnung einer Ware als 100 % Bio hingewiesen. So schreibt die EU-Verordnung nur vor, dass die Waren zu 95 % aus biologischer Produktion stammen müssen. Das bedeutet, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb „Bio-Ware“ direkt neben „Nicht-Bio-Ware“ anbauen und diese trotzdem als Bio-Ware kennzeichnen kann.

Aus diesem Grund haben unabhängige Landwirtschaftsverbände damit begonnen, ihre eigenen „Premium-Bio-Siegel“ mit strengeren Kriterien zu schaffen. Um Ihnen die Unterschiede zu verdeutlichen, vergleichen wir im Folgenden verschiedene Bio-Siegel mit dem ursprünglichen EU-Siegel:

Wie unterscheiden sich die Siegel?

EU “Bio” Siegel:

Verbraucher werden das EU-Siegel am öftesten in allen Arten von Lebensmittelgeschäften sehen, da es am häufigsten verwendet wird. Auch wenn es die niedrigsten Zulassungskriterien für Landwirte hat, können Verbraucher sicher sein, dass die Produkte mit diesem Siegel nachhaltiger sind als Produkte ohne Siegel.

  • Maximal 270 Legehennen, 580 Hühner oder 14 Schweine pro Hektar.
  • Ein Produkt, das aus mindestens 95% Bio-Zutaten besteht.
  • 53 maximal zugelassene Zusatzstoffe in Bioprodukten.

Bioland Siegel:

Bioland ist der größte Anbauverband in Deutschland und vergibt sein Siegel nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Pflanzen und Futtermittel. Um dieses Siegel zu erhalten, muss der Anbauer wesentlich strengere Kriterien erfüllen, die auch den gesamten ökologischen Kreislauf bewerten.

  • Maximal 140 Hühner, 280 Hähnchen oder zehn Schweine.
  • Ein Produkt, das zu 100% aus Bio-Zutaten besteht (muss von Bioland zertifiziert sein).
  • 22 zugelassene Zusatzstoffe in Bioprodukten.
  • Verbraucher finden Bioland-Produkte in den Supermärkten von Edeka und Lidl.

Naturland Siegel:

Naturland Naturland ist ein weltweiter Verband mit über 65.000 Erzeugern. Sie sind strenger als das EU-Siegel und bewerten für ihre Zertifizierung auch soziale Richtlinien, Regionalität und fairen Handel.

  • Maximal 140 Hühner, 280 Hähnchen oder zehn Schweine.
  • Ein Produkt, das zu 100% aus Bio-Zutaten besteht (muss von Naturland zertifiziert sein).
  • 22 zugelassene Zusatzstoffe in Bioprodukten.
  • Verbraucher finden Naturland Produkte in Edeka-, Rewe- und DM-Märkten.

Demeter Siegel:

Demeter ist ein weiterer Verband, der Produkte auszeichnet, die strenge Richtlinien erfüllen. Neben Lebensmitteln werden auch Kosmetikartikel ausgezeichnet, die ein hohes Maß an Nachhaltigkeit erfüllen.

  • Maximal 140 Hühner, 280 Hähnchen oder zehn Schweine.
  • Ein Produkt aus 100% Bio-Zutaten (mindestens 90% aus Demeter-Rohstoffen).
  • 21 zugelassene Zusatzstoffe in Bioprodukten.
  • Verbraucher finden Demeter-Produkte in Edeka-, Kaufland- und DM-Märkten.

Für jeden Verband gibt es weit mehr Kriterien, die landwirtschaftliche Unternehmen erfüllen müssen. Der allgemeine Trend ist jedoch klar:

  • Keine Pestizide
  • Mehr Platz pro Tier
  • Weniger Zusatzstoffe
  • Mehr Einschränkungen bei der Fütterung
  • Ein höherer Anteil an reinen Bio-Zutaten pro Produkt

Wie kann ich ein glaubwürdiges Siegel erkennen?

Neben diesen offiziellen „Bio“-Siegeln gibt es Hunderte von unabhängigen Labels und Siegeln, die versprechen, ihre Produkte nachhaltig und ethisch zu produzieren. Eine gute Möglichkeit, die Echtheit dieser Siegel zu überprüfen, sind die Websites www.label-online.de und www.labelchecker.de.

Diese Websites geben den Verbrauchern Einblick in die Herkunft, die Kriterien und eine „Vertrauensempfehlung“ des Siegels.

Eine kurze Suche genügt, um festzustellen, ob das Produkt, das Sie kaufen möchten, so nachhaltig ist, wie es von sich behauptet. Die Website prüft zum Beispiel, ob der Ersteller eines Gütesiegels dieselbe Person ist wie der Prüfer der Kriterienerfüllung, und vergleicht sie sogar in verschiedenen Kategorien wie „sozialer Beitrag“, „ökologischer Beitrag“ und „Glaubwürdigkeit“.

Eine Alternative zu diesen beiden Websites ist die weit verbreitete Android-, Windows- und iOS-App „NABU„.

Mit dieser App können die Nutzer ein Foto des betreffenden Siegels machen, und die Handy-App gibt eine Empfehlung, ob die Ware nachhaltig ist.

Ein grüner Daumen nach oben steht für ein empfehlenswertes Produkt, ein gelber Daumen zur Seite steht für ein gutes Produkt mit Verbesserungsfähigkeit des Nachhaltigkeitsaspekts, und ein roter Daumen nach unten zeigt Waren an, die nicht umweltfreundlich sind.

Fragen an Dich!

  • Achtest Du auf „Bio-Siegel“, bevor Du ein Produkt auswählst?
  • Würdest Du eine App wie „NABU“ nutzen, um die Glaubwürdigkeit eines Siegels zu überprüfen?
  • Ist es für Dich wichtig, wie viel Platz ein Tier zum Leben hat?
  • Welche Bio-Produkte kaufst Du normalerweise?

Quellen
Bild

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3 Kommentare

  1. Hans

    Ich habe das Bio Siegel immer wie ein Add-on behandelt, es war aber nie der Grund des Kaufes

    Antworten
    • Komoneed

      Sehr richtig. Bio Siegel sind nützliche und ergänzende Informationen, um bessere Entscheidungen zu treffen.

      Antworten
  2. Tanja

    Cooler Artikel, NABU erscheint mir sehr nützlich – es schafft einfach Klarheit

    Antworten
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