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Auf den Spuren des Geldes

Auf den Spuren des Geldes: Sind die sogenannten „grünen Investitionen“ ein neues Beispiel für Greenwashing?

Mit dem am 12. Dezember 2015 von 196 Parteien angenommenen Übereinkommen von Paris, einem rechtsverbindlichen internationalen Vertrag zum Thema Klimawandel, wurde ein wichtiger Meilenstein gesetzt. Seitdem haben die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen versucht, auf nationaler Ebene ihr Engagement zu bekunden.

Das Hauptziel des Übereinkommens von Paris besteht darin, die Erderwärmung auf 1,5 ºC bzw. maximal auf 2,0 ºC zu begrenzen, um somit bis 2050 eine Klimaneutralität herbeizuführen.

Initiativen zur Bekämpfung des Klimawandels können nicht im luftleeren Raum umgesetzt werden, sondern müssen auch andere Aspekte unseres überwiegend neoliberalen globalen Umfelds, einschließlich dem Finanzsystem, der Geopolitik und der nationalen und lokalen Regierungsführung mit berücksichtigen.

Finanzinstitute und Finanzinvestitionen: Wo liegt der Unterschied?

Allgemein formuliert umfasst ‚Finanzwirtschaft‘ Unternehmensfinanzierung, Investitionen und Finanzinstitute.

  • Unternehmensfinanzierung ist jene Abteilung eines Unternehmens, die für das Kapitalmanagement, die Finanzierungsquellen, die Kapitalstrukturierung, die Budgets und Betriebsabläufe des Unternehmens zuständig ist. Also vergleichbar mit der Buchhaltung eines jeden Geschäfts.
  • Investitionen sind Finanzierungsquellen, die einem Unternehmen zukommen. Investitionen können von Privatanlagern (Kleinanlegern), Banken, Regierungsinvestitionen (in Form von Beihilfen, Subventionen, usw.) oder sonstigen privaten Förderorganisationen, Investmentfonds/Hedgefonds, usw. kommen.
  • Finanzinstitute sind jene Einrichtungen, die mit der Abwicklung des Zahlungsverkehrs beschäftigt sind. Zu diesen Einrichtungen gehören Banken (der Regierung unterstehende Zentralbanken und Privatkundenbanken), Hedge-Fonds-Manager und Maklerunternehmen, Investmentgesellschaften, Hypotheken- und Versicherungsunternehmen, usw.

Der Durchschnittsbürger mag auf die eine oder andere Weise mit vielen oder allen diesen Konzepten in Kontakt gekommen sein, sei es aufgrund von Spareinlagen in einer Bank, einer KFZ- oder Hausratsversicherung, einer Hypothek bei einer Zentral- oder Privatbank, eines Aktienbesitzes in Unternehmen (vielleicht sogar in einer Leitungs- oder Verwaltungsfunktion in einem Aufsichtsrat), Privatinvestitionen in Unternehmen oder von einem Broker verwalteten Investitionen oder Hedge-Fonds.

Bekanntlich wird unser Geld von allen Finanzinstituten, mit denen wir Vorgänge abwickeln, bewegt.

Die meisten, wenn nicht gar alle Finanzinstitute reinvestieren unser Geld auf dem freien Markt, und zwar nicht nur, um Gewinne zu machen, sondern um uns auch etwas in Form von Dividenden und Zinsen zurückzugeben, um letztlich ein funktionierendes, ständig wachsendes und progressives globales Wirtschaftssystem sicherzustellen.

ESG-Kriterien: Kriterien für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung

Sozial verantwortliches Investment ist kein neues Konzept. Die ESG-Investmentpraktiken nahmen schon in den 60er Jahren ihren Anfang. Die ESG-Praktiken wurden unter dem Einfluss der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und des Boykotts von Firmen, die am Vietnamkrieg beteiligt waren oder diesen unterstützten, eingeführt. Sie sollten Investoren helfen, nützliche Informationen zusammenzutragen und zu erfahren, in welche Aktien ihre Investitionen tatsächlich fließen, um sich ggf. nach ethischeren Investmentmöglichkeiten aus Umwelt-, sozialer und Unternehmensführungssicht umzuschauen.

Im Freshfields-Bericht von Oktober 2005 hatte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen den Begriff ESG geprägt, wodurch er auf globaler Ebene noch weiter an Legitimität gewann.

Heutzutage legen fast alle Unternehmen Wert auf ihren ESG-Fußabdruck. Darüber hinaus werden in vielen Ländern Unternehmen von den Regulierungsbehörden nach deren ESG-Rating eingestuft.

Somit wird in den allgemeinen öffentlichen normativen Systemen der Übergang zu ökologisch und sozial verantwortlichen Geschäftsformen und Praktiken in vielerlei Bereichen, u.a. dem Klimawandel bekräftigt.

Ein gutes ESG-Rating ist für ein Unternehmen von großer Bedeutung, vor allem auch deshalb, weil heutzutage private Kleinanleger ganz genau darauf schauen, wo ihr Geld investiert wird. Sie machen derzeit ca. 41 % aller Anlagen weltweit aus.

Der größte Anteil aller globalen Anlagen, d.h. 59 %, befindet sich jedoch in Händen von institutionellen Anlegern, einem von Investmentfonds verwalteten Vermögenspool (bestehend aus privaten und Unternehmensanlegern).

ESG-Fonds sind, dank des wachsenden Interesses an den ESG-Prinzipien, Portfolios von Anlageinstrumenten, in deren Abläufen ESG-Aspekte Berücksichtigung finden.

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Sind die von den Unternehmen angepriesenen „grünen Investitionen“ wirklich grün?

Ein kürzlich von InfluenceMap, einem Think-Tank zum Thema Klimawandel mit Sitz in London, herausgegebener vernichtender Bericht „bezichtigte die meisten der sogenannten grünen Fonds, diesem Anspruch nicht gerecht zu werden“.

InfluenceMap bewertete 723 Aktienfonds mit einem Anlagevermögen von mehreren hundert Milliarden Dollar und kam dabei zu dem Schluss, dass mehr als 70 % der mit ESG-Zielen verbundenen Fonds nicht den globalen Klimazielen entsprechen.

Des Weiteren wird festgestellt, dass mehr als 50 % der ESG-Fonds, die sich selbst als „saubere Energie“ und „kohlenstoffarm“ bezeichnen, die im Vertrag von Paris gesetzten Standards nicht erfüllen.

Diese Erkenntnisse wurden in einem zu Beginn dieses Jahres von The Economist veröffentlichten Bericht bestätigt. Darin kam man zu dem Schluss, dass die weltweit bedeutendsten ESG-Fonds „voll mit Verschmutzern und Sündenaktien“ sind, was sogar die Behörden in Deutschland und in den USA dazu bewegte, eine Untersuchung der DWS-Gruppe, einer Asset-Management-Tranche der weltweit mächtigen Deutsche Bank AG einzuleiten.

Obgleich es für Privatpersonen, die ihr Geld über diese Investmentfonds anlegen sicher auch ethische Einflüsse eine Rolle spielen, sind geopolitische Aspekte nicht weniger bedeutsam. In weiteren Berichten ist davon die Rede, dass ESG-Anleger milliardenschwere Anlagen in Zulieferern von militärischem Material halten, die u.a. kürzlich für den Tod von 1.500 Menschen infolge des Vorgehens der regierenden Junta-Partei in Myanmar mitverantwortlich gemacht worden sind. Des Weiteren sei ein Anwachsen von Fonds in Unternehmen festzustellen, die von Russland unterstützt werden, und das trotz ihres umstrittenen Verhaltens gegenüber der Ukraine.

All diese Berichte sind eine Anklage gegen bestimmte grüne Investitionen. Sie werden als ein weiteres Beispiel von „Greenwashing“ angesehen, trotz der wachsenden Besorgnis für Klimawandel und beunruhigender geopolitischer Beziehungen.

Was können wir tun?

Verschiedene internationale Organisationen, u.a. der International Accounting Standards Board und der International Sustainability Standards Board, versuchen derzeit, diesen Behauptungen von Greenwashing nachzugehen und tatsächliche Fortschritte in Sachen ESG-Nachhaltigkeit herbeizuführen.

Hierzu gehört die Einführung von obligatorischen Offenlegungsstandards zu Themen der Nachhaltigkeit, um eine korrekte Finanzberichterstattung und kohärente Praktiken, Transparenz und Rechenschaftspflicht in der gesamten Branche der Finanzanlagen sicherzustellen.

Privatpersonen vor Ort, die bereits in einen ESG-Anlagefonds investiert haben oder eine derartige Investition beabsichtigen, sollten versuchen, eine eigene Due-Diligence-Untersuchung und weitere Nachforschungen anzustellen. Gleichzeitig sollte auf die Regulierungsbehörden und nationalen Regierungen Druck ausgeübt werden, damit sie derartige Themen weiterhin als politische Prioritäten erachten.


Quellen
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1 Kommentar

  1. Jenna

    Richtig tolles Thema, wichtig auch, es kritisch zu beleuchten 👍🤗

    Antworten
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