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Verantwortungsbewusstes Konsumverhalten

Wie kann man über gezielte Verbraucherentscheidungen große Veränderungen herbeiführen? Eine Frage des verantwortungsbewussten Konsumverhaltens

Die neoklassische makroökonomische Theorie

Der Verbrauch der Privathaushalte ist ein wichtiger Bestandteil von makroökonomischen Berechnungen des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Allgemein gilt das Bruttoinlandsprodukt eines Landes als Indiz für die Entwicklung verschiedener Aspekte, wie z.B. stabile Regierung, Vertrauen in die Märkte, Produktionskapazitäten, Erwerbsmöglichkeiten und letztlich Gesundheit und Stärke der Konjunkturzyklen.

Der Verbraucherpreisindex (VPI) eines Landes misst die Inflation einer Volkswirtschaft, indem der gewichtete Durchschnitt der von den Haushalten erworbenen Verbrauchsgüter und Dienstleistungen errechnet wird. Der VPI gibt aber auch Aufschluss über das Kaufverhalten und die Veränderungen der Gewohnheiten der Verbraucher.

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All diese Statistiken und Berechnungen werden letztlich von uns als Endverbraucher mitbestimmt.

Das Anwachsen der Mittelklasse heizt den Konsum an

Die Weltwirtschaft hat sich von den tiefgreifenden Rezessionen von Beginn und Mitte des 20. Jahrhunderts infolge von turbulenten weltpolitischen Konstellationen und zwei Weltkriegen vollständig erholt.

Nach dem Boom der Dotcom in den 90er Jahren und der Ausbreitung der Informationstechnologien und des Internets wurde ein Umfeld geschaffen, das den Konsum immer mehr ankurbelt.

Trotz der anfänglichen Zügelung des Konsums im Zuge der COVID-19-Pandemie im Jahre 2020 folgte kurz darauf wieder eine Anpassung.

Im Juni 2021 belegte die von PwC durchgeführte globale Verbraucherumfrage (Global Consumer Insights Pulse Survey) einen starken Wandel hin zum Online-Shopping während des weltweiten Lockdowns. Mehr als 50% der befragten Verbraucher gaben an, dass ihnen die verstärkte Verwendung digitaler Geräte den Konsum erleichtert. In diesem Zusammenhang hat sich das Einkaufen über das Smartphone seit 2018 verdoppelt.

Vom  International Resource Panel (IRP), einem Ableger des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, ist ermittelt worden, dass sich aufgrund der mit einer wachsenden Mittelklasse verbundenen Konsumsteigerung der Abbau von Rohstoffen in den letzten 40 Jahren verdreifacht hat, d.h. von 22 Milliarden Tonnen im Jahre 1970 auf 70 Milliarden Tonnen 2010 angewachsen ist.

Alicia Barcena Ibarra, die Ko-Vorsitzende von IRP, merkte an:

„Der alarmierende Abbau von Rohstoffen hat bereits gezeigt, mit welch schweren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Lebensqualität der Menschen er verbunden ist … Dieses Problem müssen wir schnellstens angehen, bevor wir die Rohstoffe, die Grundlage für unsere Volkswirtschaften sind und Menschen aus der Armut heraushelfen können, ein für alle Mal erschöpfen. Dieses sehr komplexe Problem gilt als eine der größten Bewährungstests für die Menschheit und fordert uns alle auf, die Gestaltung des Abbaus von natürlichen Ressourcen neu zu überdenken.“

Im vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen 2020 veröffentlichten Emissionslückenbericht ist zu lesen, dass 60% der weltweiten Treibhausgasemissionen auf den Verbrauch von Waren und Dienstleistungen durch die Haushalte zurückzuführen sind.

Und noch markanter ist, dass der wohlhabendste 1% der Weltbevölkerung mehr als doppelt so viel Kohlenstoffemissionen auf sich vereint wie die ärmsten 50%. All dies ist auf das Konsumvermögen des wohlhabenderen Teils der Weltbevölkerung zurückzuführen.

Auch wenn die Weltbevölkerung insgesamt abgenommen hat, ist die Mittelklasse größer geworden, was wiederum zu wachsendem Wohlstand aber auch zu einer Verschlimmerung des übermäßigen Konsums beigetragen hat.

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Aber brauchen wir wirklich all diese Sachen?

Der Konsum ist einfach aus dem Ruder gelaufen. Der übermäßige Konsum und die Ausbeutung der Ressourcen haben die Grenzen eines nachhaltigen Ökosystems überschritten.

Alles was wir kaufen, ob es nun Kleidungsstücke, Lebensmittel oder technische Geräte sind, muss mithilfe von Grundstoffen und Chemikalien hergestellt, vertrieben, verkauft und transportiert werden.

Und genau diese Herstellungs-, Verkaufs- und Transportprozesse sind stark vom Abbau von Rohstoffen, von der petrochemischen Industrie und der Informationstechnologie abhängig. Die Produkte bedürfen aber auch der Vermarktung, Werbung und der entsprechenden Verkaufsplattformen.

Das meiste, was wir verbrauchen, endet letztlich im Müll.

Ist die Lebens- oder Tragedauer von Kleidungsstücken abgelaufen, werden 85% davon, also drei von fünf, verbrannt oder landen auf Deponien. Derzeit besteht eine Kluft zwischen den in der Branche vorhandenen Kenntnissen und der Fähigkeit zum Recyclen und Wiederverwenden vom Textilien.

Mittels moderner Technologien hat man versucht Wege zu finden, um ausrangierte Kleidung in Fasern zu verwandeln, die dann für die Herstellung neuer Artikel verwendet werden können. Jedoch sind die meisten Recyclingtechnologien, wie z.B. chemische Zersetzung oder Zerkleinerung, für härtere und beständige Produkte, wie Glas oder Karton entwickelt worden. Für das Recycling von empfindlichen Textilfasern kommen sie praktisch nicht in Frage.

Während der Weihnachtsferien oder Festen wie Halloween wächst das Abfallvolumen gewöhnlich stark an.

Man beschenkt sich gegenseitig, aber dabei ist viel zu viel Kunststoff mit im Spiel: Spielzeug, Elektroartikel und sogar das Geschenkpapier selbst. Die darin enthaltenen Mikroplastikteilchen belasten bei ihrer Entsorgung die Umwelt mit schädlichen Chemikalien.

Wie viel von dem, was wir kaufen oder geschenkt bekommen, liegt wenige Monate später nutzlos herum, ist kaputt oder nimmt nur Platz in unserer Wohnung weg?

Weniger Emotionen, dafür aber vernünftigerer Konsum

Heutzutage ist Einkaufen oftmals zu einer Freizeitbeschäftigung geworden. Aus psychologischer Sicht gibt es verschiedene Erklärungen dafür: Entweder will man sich der Realität entziehen, sich selbst belohnen oder materielle Dinge zur Stärkung des Selbstbewusstseins oder zur Erhöhung des sozialen Status erlangen.

Wir haben mehr Güter zur Verfügung als je zuvor in der Geschichte, trotzdem sind wir unglücklicher den je.

Sicher sind viele Konsumgewohnheiten mehr emotional als rational bedingt, was wiederum auf Eigenschaften beruht, die rein menschlicher Natur sind, was eigentlich verständlich ist.Wenn es uns gelingt, diese Emotionalität unter Kontrolle zu bekommen und wir uns bemühen, zu bewussteren Verbrauchern zu werden, können wir die ökologische Nachhaltigkeit positiv beeinflussen und Unternehmen dazu bringen, sich in den Dienst der Menschen und des Planeten zu stellen, anstatt nur nach Gewinn zu streben.

Wir sollten uns folgende Fragen stellen:

  • Brauche ich einen bestimmten Artikel wirklich, oder will ich ihn nur?
  • Kann ich etwas Ähnliches günstiger bekommen, wenn ich mich weiter umschaue, anstatt der Einfachheit halber eine schnelle Kaufentscheidung treffe?
  • Kann ich das gleiche Produkt aus nachhaltigerem Material, wie z.B. Bambus oder Metall anstatt aus Kunststoff bekommen?


    Quellen
    Bild
    • Paying-1438142_1920 von Islandworksat bei Pixabay

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